
Vom Regen in die Traufe ?
Die zweite Ehe meines Vaters hielt nur ein Jahr lang und dann gehörte diese Frau auch wieder der Vergangenheit an.
An unserem Vater/Tochter Verhältnis änderte sich daran jedoch gar nichts.
Ich lebte weiterhin unten im Haus mit meinen Großeltern und meiner "Tante".
Nun, sie war nicht wirklich meine Tante. Meine Großeltern hatten sie, als sie 3 Jahre alt war, und ihren älteren Bruder aus dem Kinderheim zur Pflege aufgenommen.
Sie war (bzw. ist es immer noch) 6 Jahre älter als ich.
Ihr Bruder wohnte nicht lange bei uns. Er hatte eine leichte geistige Behinderung, welche durch das gewalttätige Verhalten meiner Großeltern im Laufe der Zeit immer schlimmer wurde. Als er mich dann eines Tages die Treppe runterschubste (ob Absicht oder nicht kann ich nicht beurteilen, ich war zu klein) nahm man dies zum Anlass und gab ihn wieder ab. Er war einfach zu unbequem. Armer Junge!
Meine Schwester und ich kamen prima miteinander aus und sie wurde für mich immer mehr Anlaufstelle.
Mein Vater rückte mehr und mehr in den Hintergrund und irgendwann war ich der Meinung, er sei mein großer Bruder!
Folglich wurde meine "Tante" zu meiner großen Schwester, was bis zum heutigen Tag so ist ;)
Meine Großeltern konnte man als gewöhnliche Leute bezeichnen. Mein Opa stand unter den Pantoffeln meiner Oma, was vorallem meiner Schwester des Öfteren Schläge einbrachte. Damit der arme Mann seine Ruhe hatte, drosch er auf die Kinder ein (was sich in meiner Teeniezeit auch nicht ändert - aber dazu später mehr).
Ich hatte mit meinen knappen 5 Jahren noch Schonfrist und war der Meinung das Leben ist doch eigentlich recht schön.
Überhaupt kristallisierte sich schnell heraus, das alles Kleine für meine Großeltern süß und niedlich war und sobald es größer wurde, wurde es lästig und unbequem. Diese Regel passte auf Tiere wie auf Kinder.
Meine Schwester hatte mit ihren 11 Jahren keine Schonfrist mehr. Sie war dazu da, um auf mich aufzupassen, den Garten mit zu pflegen, das Haus zu putzen und sich anschnauzen zu lassen. Von glücklicher Kindheit konnte man nicht sprechen.
Klar, materiell war man versorgt. Man ging zur Schule, hatte ordentliche Kleidung, genug zum Essen ... doch was war mit Liebe ?
Wie definiert man Liebe ? Nun, meine Großeltern waren der Meinung zu lieben. Liebe ist Strenge und Schläge - schliesslich will man ja, das aus den Kinderchen mal was wird.
Meine Schester litt sehr unter der Situation, hielt allerdings ihren Mund aus Angst wieder ins Heim zu kommen (was ich im Laufe meiner späteren Kindheit sehr gut nachvollziehen konnte).
Dann kam der große Tag!
Ich stand ein paar Wochen vor meinem 6. Geburtstag als mein Vater eine neue Frau mit nach Hause brachte.
Es sollte mal erwähnt werden, das ich in einer ruhigen, idyllischen Siedlung wohnte wo zumindest nach aussen hin jeder eine heile Familie hatte, ausser mir.
Oh man was war ich aufgeregt. Eine potenzielle neue Mami!
Und was das Größte war : ich durfte dabei sein!
Meine damals beste Freundin und ich bauten uns in der Küche meines Vaters mit Decken eine Höhle um in geringen Zeitabständen immer kichernd ins Wohnzimmer zu laufen und meinen Vater und diese wundervolle Frau mit Chips zu "füttern". Und sie hatten augenscheinlich Spaß daran.
Ich war das glücklichste Kind der Welt.