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Sonntag, 21. Februar 2010

Gefangen in der Vergangenheit



Hallo liebe Blogbesucher

Ich war lange nicht in der Lage hier zu schreiben und bin es ehrlich gesagt auch jetzt noch nicht.
Dennoch muss ich jetzt meine wirren Gedanken in Worte fassen - muss das Gedachte rauslassen um nicht durchzudrehen.
Eine Zeit lang habe ich geglaubt, ich schaffe es - ich kann mit der Vergangenheit abschließen, kann sie hinter mir lassen...
Am Anfang, als ich anfing die Medikamente zu nehmen, hatte ich plötzlich neuen Lebensmut.
Habe mir eingeredet, das alles irgendwann wieder gut ist...
Wieder ?
Irgendwie wars nie gut.
Ich solle positiv denken, sagt die Psychologin im Krisenzentrum...
Wie denkt man positiv?
Naja, man müsse den Schalter im Kopf umlegen - von negativ zu positiv.
Hört sich ja total simpel an oder ?
Das probiere ich mal aus, dachte ich mir und bin frohen Mutes nach hause gefahren.
Mit positiven Gedanken kam ich daheim an und öffnete den Briefkasten.
Und was fand ich "tolles" darin?
Mein Schatz hat die Kündigung bekommen und ist nun arbeitslos!
Ja Mensch, das ist doch mal positiv...
Da kommt man sich vom Leben doch irgendwie verarscht vor oder ?
Oder aber ich bin zu blöd, um einfache Schaltmechanismen zu bedienen.
Meine schöne aufgebaute Anti-Depressiva Schutzhülle bekommt langsam aber sicher immer mehr Risse.
Ich vergleiche die Situation oft mit einem Galgen.
Eine fette Schlinge liegt um meinen Hals und zieht sich langsam immer mehr zu. Manchmal wird sie etwas lockerer, aber nur um dann noch mal richtig nachzuziehen.

Zur Zeit bin ich nur schwerelos.
Ich schwebe durch die Welt wie ein aufgeblähter Ballon und schaffe es nicht mich irgendwo zu verankern.
Einen festen Platz zu finden ... ich schwebe und schwebe und irgendwann löse ich mich auf.
Wo ist mein Platz in der Welt ?
Habe ich einen ?
Will mich die Welt ?

So war es schon so oft.
Als ich Kind war, wusste ich auch nie wo mein Platz ist.
Oft habe ich darüber nachgedacht, ob es meine Schuld war, das ER mich angefasst hat.
Habe ich ihn ermutigt, weil ich meinen Opi so geliebt und bewundert habe ?
Habe ich es am Ende etwa so gewollt ?
Es muß eine plausible Erklärung geben!
Niemand aus meiner Familie sagt: "Hey, das was Dir passiert ist, ist mega Scheiße - aber Du bist NICHT schuld!"
Was also soll ich denken ?
Keine Antworten auf meine Fragen. Keine Tipps wie man sowas verarbeitet.
Schiebt man es weg ? Schreit man es herraus ?

Mit 11 Jahren habe ich das erste Mal versucht mich umzubringen.
Suizid ist feige ?
Ich weiß nicht.
Eine Zeit lang habe ich das gedacht. Ich dachte, man muß sich seinen Problemen stellen und an einer Lösung arbeiten.
Sich einfach verkrümeln ist feige.
Damals mit 11 fand ich mich nicht feige. Ich wollte einfach dieser Welt entfliehen.
Weglaufen hatte ja schon mal nicht geklappt. Mich jemandem anvertrauen ging auch nicht.
Was sollte ich also tun ?
Mich in Luft auflösen...
Also nahm ich einen Kamm mit Metalstiel, machte ihn nass und steckte das nasse Metal in die Steckdose.
Ausser einem tierischen Stromschlag und einer anschliessenden Tracht Prügel von meiner Stiefmutter, hatte mich diese Aktion nicht gerade weitergebracht.
Ausser der Erkenntnis, daß ich wohl selbst dafür zu doof bin.
Ihr habt sicher schon bemerkt, daß meine Art zu schreiben manchmal vor Sarkasmus trieft ... das ist aber meine Art damit einigermaßen umzugehen um nicht ständig das Heulen anzufangen...
Heute denke ich, Suizid ist nicht feige sondern manchmal einfach die letzte Lösung eines fetten Problems, welche einem noch bleibt.
Wenn man zu der Überzeugung gelangt, allen nur noch auf den Sack zu gehen und alle mit seiner Anwesenheit zur Last zu fallen ...

Gefangen in der Vergangenheit ... die Vergangenheit holt mich jeden Tag wieder ein.
Ich kann nicht loslassen.
Ich will Antworten!!!
Antworten die erklären, warum ich mich so fühle wie ich mich jetzt fühle.
Antworten die erklären, warum ich krank bin, warum ich kein normales Leben führen kann.
Antworten die erklären, warum ich mir mies vorkomme und denke ich habe nicht das Recht auf Antworten.
Antworten die erklären, warum ich mich dafür hasse zu denken ich würde in Selbstmitleid zerfliessen.
Antworten die erklären, warum ich keinen Platz im Leben habe und die mir erklären was ich falsch mache.
Antworten die erklären, warum ich mich nicht einfach selber in den Hintern trete und positiv denke.
Antworten die erklären, warum meine Familie mich ablehnt.

Das könnte jetzt ins Endlose führen ...
Die Antwort auf meine Fragen werde ich mir nur selber geben können.
Die Antwort ist meiner Meinung nach, daß ich einfach ein Mensch bin der es aus irgendwelchen Gründen nicht anders verdient hat.
Vielleicht sollte ich mich also eher auf die Suche nach diesen Gründen machen.
Als Kind wurde mir immer gesagt, ich sei anders, ich sei nicht normal, ich müsse mich anpassen.
Meine Oma hat sogar mal behauptet ich sei vom Teufel besessen *augenroll*
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich frage mich schon wie sie darauf kommen.
Wenn das alle sagen, dann muß doch da was Wahres dran sein oder ?
Aber wie wird man anders? Wie wird man "unnormal" ?
Wenn es nach meiner Familie geht, dann war ich schon immer so.
Also wurde ich so geboren ?
Heisst das, meine Eltern sind auch nicht normal ?
Oder woher kommen die anormalen Gene ?
Bestrafen mich meine Eltern dafür, daß ich nicht so bin wie sie es sich ausgemalt haben ?
Wer zur Hölle kann mir die Antworten darauf geben ???

Die gedanklichen Flashs in meine Vergangenheit werden immer mehr.
Manchmal erwischt es mich unter der Dusche, beim Einkauf oder einfach mitten auf der Straße.
Manchmal sind es Geräusche, Bilder, Vorstellungen oder Dinge die auf der Straße liegen.
Und es kündigt sich nicht an.
Es ist plötzlich da und lähmt mich.
Aber ich darf mich nicht lähmen lassen.
Ich muß durchhalten und funktionieren wie ein Uhrwerk.
Ich werde zumindest von zwei Menschen gebraucht und das erhält mich momentan am Leben!

Danke für's Zuhören