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Samstag, 22. August 2009

Teil 8 - Liebesentzug und andere Grausamkeiten




Von wirklichem Liebesentzug kann man eigentlich gar nicht sprechen, denn wo nichts ist kann man auch nichts entziehen.
Fakt war, ich fühlte mich wie ein Klotz am Bein meiner Familie.
Mein kleiner Bruder hatte Narrenfreiheit und war der süße geliebte Kronprinz der Sippe.
Sobald er sprechen konnte, zollte er mir seinen nicht vorhandenen Respekt mit Sprüchen wie "Pissnelke" und anderen Nettigkeiten.
Naja irgendwie kann ich es dem kleinen Scheißer nicht verübeln - er hat es ja nicht anders gelernt!

Einmal hatte ich so einen kleinen Zauberwürfel (wie es sie in den 80ern zu Hauf gab). Ich drehte den ganzen Tag an diesem kleinen Ding rum - eine herrliche Ablenkung zu versuchen alle Seiten des Würfels wieder einfarbig zu bekommen.
Mein kleiner Bruder fand das sehr interessant und wollte diesen Würfel haben.
Da ich aber aus Erfahrung wusste, daß das kleine verwöhnte Prinzchen alles kaputt macht was es in die Finger bekommt, wollte ich meinen Schatz nicht hergeben.
Er fing an zu toben und zu schreien bis Mami aus dem Schlafzimmer gestürmt kam.
Mit einem wütenden :"Ich will schlafen!" knallte sie mir eine mitten ins Gesicht, riss mir den Würfel aus der Hand und gab ihm meinem Bruder.
Das kleine feist grinsende Gesicht muss ich wohl nicht extra beschreiben...

So lief es mit allen Dingen. Mein kleiner Bruder wusste genau wie er seinen Willen durchzusetzen hatte und das nutzte er auch schamlos aus. Er wusste ja, daß ich immer die Verliererin war. Blut ist eben doch dicker als Wasser (ein Spruch den meine "Omi" später mal meiner leiblichen Oma am Telefon drückte.)

Um wenigstens ein paar Zärtlichkeiten zu bekommen, musste ich mich schon anstrengen.
Für eine halbe Stunde Mami massieren bekam ich 1x Rücken hoch und runter mit Mamis Fingernägeln. Mehr war nicht drin.
Die restlichen "Zärtlichkeiten" bekam ich ja schon von Opi ... sorry für meinen Sarkasmus, ich kann anders damit nicht umgehen ohne ....egal...

Als meine Eltern mal nicht da waren und ich wieder mal überlegte wie ich mich bei ihnen in Erinnerung bringen konnte, kam mir die Idee: ich backe ihnen was Tolles!
Gesagt getan - Rezept gewählt und losgelegt.
Ich war so stolz auf meine tolle Idee - das würde ihnen bestimmt gefallen.
Leider war ich als Kind nicht die beste Bäckerin und so passierte es, daß meine tollen Kekse alle ineinanderliefen und eine breite Masse sich über das Backblech ergoß.
Ok, es war nicht perfekt, aber die gute Absicht musste doch erkennbar sein.
Meine Eltern kamen nach Hause und ich präsentierte ihnen voller Stolz mein etwas misslungenes Backwerk.
Doch anstelle der erwarteten Freude bekam ich eine Tracht Prügel weil ich ohne zu fragen an den Herd gegangen bin und auch noch das Blech versaut habe.
Mission Überraschung nicht gelungen!
Selbst zum Backen war ich zu blöd.

Das Leben in dieser Familie wurde für mich immer schwieriger und ich kappselte mich immer mehr ab. Entweder verbrachte ich meine Zeit im Keller oder streunte alleine durch die Wälder.
Eines Tages machte ich dann eine Entdeckung...
Meine Mami hatte eine wesentlich jüngere Freundin mit der sich oft etwas unternahm. Diese Freundin hatte einen noch jüngeren Bruder der aussah wie David Bowie. Er war gerade mal volljährig und der Schwarm aller Mädchen im Dorf.
Die beiden waren oft bei uns.
Unsere Küche hatte zwei Türen - die eine führte vom Flur aus in die Küche, die andere Tür zum Esszimmer wieder hinaus.
Ich kam vom Flur rein und suchte Mami, als ich komische Geräusche aus der Küche hörte. Aus Angst vor Ärger schlich ich mich ganz leise zur Tür und konnte beobachten wie Mami und "David Bowie" sich so küssten wie es eigentlich Eltern tun.
Ich war total geschockt!
Was tat sie da ? Wusste mein Papa das ?
Meine Erfahrung sagte mir, über sowas darf man nicht sprechen - es sei denn man bettelt regelrecht um Schläge.
Also nahm ich dieses Geheimnis in mich auf und verlor nie ein Wort darüber...

Meine Reaktionen jedoch wurden immer provokanter. Ich widersetzte mich fast jedem Verbot.
Ein Verbot war: wenn Mami und Papa nicht zu Hause waren, blieb der Fernseher aus!
Mami hielt sowieso alle Kindersendungen für Schwachsinn und so war es nicht verwunderlich das diese Sendungen erst recht einen großen Reiz auf mich ausübten.
So auch an diesem bestimmten Tag ...
Ich saß im Esszimmer vor der Glotze und genoß es alleine zu sein. Plötzlich hörte ich das Auto meiner Eltern und machte panisch den Fernseher aus. Sie kamen viel zu früh!
Schnell noch das Esszimmer etwas aufräumen - da waren sie schon.
Ich versuchte mit meinem liebenswürdigsten Lächeln ein Hallo rauszubringen, als Mami schon schnurrstracks auf den Fernseher zuging und ihre Hand drauflegte.
Wütend drehte sie sich um und knallte mir eine. Ich wusste gar nicht wie mir geschah - der Fernseher war doch aus. Wie um alles in der Welt konnte sie wissen, daß ich fern gesehen hatte? (naja heute weiß ich es...)
So ergab eins das andere ... ich versuchte natürlich mich mit kindlich dummen Ausreden zu retten. Mein Papa knallte mir so heftig ins Gesicht, daß ich rückwärts taumelte, mit dem Kopf gegen ein sechseckiges Schränkchen knallte und letztendlich mit dem Kopf auf dem harten Mamorfussboden aufschlug.
Mein Pech: dabei riss ich den geliebten Farn von Mami, welcher auf den Schränkchen stand mit solch einer wucht runter, das sie ihn nicht mehr retten konnte. Das brachte mir noch mal eine extra Tracht Prügel ein!