Samstag, 27. Juni 2009

Teil 2 - Vom Regen in die Traufe ?



Vom Regen in die Traufe ?

Die zweite Ehe meines Vaters hielt nur ein Jahr lang und dann gehörte diese Frau auch wieder der Vergangenheit an.
An unserem Vater/Tochter Verhältnis änderte sich daran jedoch gar nichts.
Ich lebte weiterhin unten im Haus mit meinen Großeltern und meiner "Tante".
Nun, sie war nicht wirklich meine Tante. Meine Großeltern hatten sie, als sie 3 Jahre alt war, und ihren älteren Bruder aus dem Kinderheim zur Pflege aufgenommen.
Sie war (bzw. ist es immer noch) 6 Jahre älter als ich.
Ihr Bruder wohnte nicht lange bei uns. Er hatte eine leichte geistige Behinderung, welche durch das gewalttätige Verhalten meiner Großeltern im Laufe der Zeit immer schlimmer wurde. Als er mich dann eines Tages die Treppe runterschubste (ob Absicht oder nicht kann ich nicht beurteilen, ich war zu klein) nahm man dies zum Anlass und gab ihn wieder ab. Er war einfach zu unbequem. Armer Junge!

Meine Schwester und ich kamen prima miteinander aus und sie wurde für mich immer mehr Anlaufstelle.
Mein Vater rückte mehr und mehr in den Hintergrund und irgendwann war ich der Meinung, er sei mein großer Bruder!
Folglich wurde meine "Tante" zu meiner großen Schwester, was bis zum heutigen Tag so ist ;)

Meine Großeltern konnte man als gewöhnliche Leute bezeichnen. Mein Opa stand unter den Pantoffeln meiner Oma, was vorallem meiner Schwester des Öfteren Schläge einbrachte. Damit der arme Mann seine Ruhe hatte, drosch er auf die Kinder ein (was sich in meiner Teeniezeit auch nicht ändert - aber dazu später mehr).
Ich hatte mit meinen knappen 5 Jahren noch Schonfrist und war der Meinung das Leben ist doch eigentlich recht schön.
Überhaupt kristallisierte sich schnell heraus, das alles Kleine für meine Großeltern süß und niedlich war und sobald es größer wurde, wurde es lästig und unbequem. Diese Regel passte auf Tiere wie auf Kinder.
Meine Schwester hatte mit ihren 11 Jahren keine Schonfrist mehr. Sie war dazu da, um auf mich aufzupassen, den Garten mit zu pflegen, das Haus zu putzen und sich anschnauzen zu lassen. Von glücklicher Kindheit konnte man nicht sprechen.
Klar, materiell war man versorgt. Man ging zur Schule, hatte ordentliche Kleidung, genug zum Essen ... doch was war mit Liebe ?
Wie definiert man Liebe ? Nun, meine Großeltern waren der Meinung zu lieben. Liebe ist Strenge und Schläge - schliesslich will man ja, das aus den Kinderchen mal was wird.
Meine Schester litt sehr unter der Situation, hielt allerdings ihren Mund aus Angst wieder ins Heim zu kommen (was ich im Laufe meiner späteren Kindheit sehr gut nachvollziehen konnte).

Dann kam der große Tag!
Ich stand ein paar Wochen vor meinem 6. Geburtstag als mein Vater eine neue Frau mit nach Hause brachte.
Es sollte mal erwähnt werden, das ich in einer ruhigen, idyllischen Siedlung wohnte wo zumindest nach aussen hin jeder eine heile Familie hatte, ausser mir.
Oh man was war ich aufgeregt. Eine potenzielle neue Mami!
Und was das Größte war : ich durfte dabei sein!
Meine damals beste Freundin und ich bauten uns in der Küche meines Vaters mit Decken eine Höhle um in geringen Zeitabständen immer kichernd ins Wohnzimmer zu laufen und meinen Vater und diese wundervolle Frau mit Chips zu "füttern". Und sie hatten augenscheinlich Spaß daran.
Ich war das glücklichste Kind der Welt.

Teil 1 - Willkommen im Leben



Willkommen im Leben !

So, da war ich nun.

Geboren 1970, irgendwo in Deutschland um 04:45 Uhr.

Ein neuer Erdenbürger erblickt das Licht der Welt.

Klein, hilflos, zart und angewiesen auf die Fürsorge seiner liebenden Eltern.

Liebende Eltern ? Was sind liebende Eltern eigentlich?

Eltern, in der Regel bestehend aus einer Mutter und einem Vater sind dafür da Sorge zu tragen, das ein kleines Menschenkind wohl behütet aufwächst. Sie haben die Verantwortung für ihr Kind zu sorgen, es zu lieben, ihm alles wichtige im Leben beizubringen und es vor allem Unheil zu beschützen.

Doch das ist nicht immer so und die Welt des kleinen Menschenkindes gerät schon recht bald aus den Fugen.


An meine Babyzeit kann ich mich nicht wirklich erinnern (nun wer kann das schon).

Die Ehe meiner Eltern schien aber nicht wirklich gut zu funktionieren, denn als ich so etwa 2 Jahre alt war, trennten sich meine Eltern und ließen sich scheiden.

Und wohin nun mit den Kindern ?

Meine 1 Jahr jüngere Schwester nahm meine Mutter zu sich. Der kleine sabbernde Glückspilz. Eine Mama zu haben ist sicherlich etwas wundervolles.

Doch da konnte ich nicht mitreden, denn ich kam zu meinem Vater.

Was war passiert?

War ich böse gewesen?

Warum wollte meine Mutter mich nicht auch bei sich haben?

Dafür gab es aus Erwachsenen Sicht eine plausible Erklärung:

Ich sah meinem von meiner Mutter verhasstem Vater einfach zu ähnlich, als das sie mich weiterhin haben wollte.

Na das nenne ich mal eine gute Erklärung – klingt ja auch irgendwie einleuchtend.

Wer möchte schon tagtäglich an einen verhassten Menschen erinnert werden. Denn das wäre unweigerlich geschehen wenn sie mir täglich in mein kleines Kindergesicht hätte schauen müssen.

Doch hallo? Was war denn mit mir? Durfte ich überhaupt nicht mitreden?


Anfangs wurde ich dann ab und an von meinen Großeltern mütterlicherseits am Wochenende abgeholt. Man machte kleinere Ausflüge und versuchte den Verlust des einen Enkelkindes in diesen paar Stunden damit zu kompensieren, indem man das Kind mit Süßigkeiten vollstopfte.

Vollgepropft und speiübel wurde das Kind dann wieder dem Vater übergeben.

Das dies nicht ohne Folgen blieb war irgendwie abzusehen.

Aus mir nicht bekannten Gründen wurde der Kontakt zu Oma und Opa mütterlicherseits untersagt und somit wurde auch jeglicher Kontakt zu meiner Schwester unterbrochen.

Die Leitung war tot! Obwohl meine Mutter in der selben Stadt wohnte, hielt sie es nicht für ihren innerlichen Herzenswunsch, auch mal ihre andere Tochter (mich) sehen zu wollen.

Was war geschehen?

War mein Vater so herzlos und enthielt mich meiner Mutter vor? Wegen ein paar Süßigkeiten?

Oder lag es etwa an mir? Vielleicht war ich auf den Ausflügen nicht lieb genug gewesen. Vielleicht hätte ich nicht so viel Süßigkeiten essen sollen. Vielleicht hätte ich besser aufpassen sollen und mich nicht schmutzig machen sollen. Vielleicht, vielleicht, vielleicht ...

Für mich gab es keine logische Erklärung. Ich war klein und dumm und hatte mich dem zu fügen was man mir sagte. Ok, wenn ich meine Oma, Opa und Mama nicht mehr sehen durfte, bzw. sie mich nicht mehr sehen wollten dann musste ich das eben so hinnehmen. Ob ich darüber Trübsal blies oder nicht war irrelevant. Meine Mutter hatte ihre kleine Tochter bei sich und mein Vater heiratete erneut.


Mein Vater bewohnte das obere Geschoß im Haus meiner Großeltern väterlicherseits.

Nachdem er nun zum zweiten Mal geheiratet hatte, durfte ich unten bei meiner Oma wohnen. Hatte ich ein Glück! Papa, neue Mama und Oma und Opa in einem Haus. Toll!

Ähm Moment mal – sagte ich gerade toll?

Naja zumindest war ich der Ansicht das es jetzt nur noch bergauf gehen kann.

Doch wieder kam alles anders als erwartet.

Die neue Frau meines Vaters entpuppte sich als ziemlich unreif und war nicht in der Lage sich um ein Kleinkind zu kümmern. In ihrer scheinbaren Hilflosigkeit verbot sie mir den Kontakt zu meinem Vater. Das obligatorische „Gute Nacht“ sagen entfiel ab dem Zeitpunkt.

Mein Vater schien eine gut funktionierende Ehe seiner Tochter vorzuziehen und somit blieben mir nur noch Oma und Opa und meine "Tante"

Herzlich Willkommen



Guten Abend (gute Nacht?)

Ich möchte hiermit alle Blogbesucher herzlich Willkommen heißen.

"Aufstehen - abklopfen - weitergehen"
Solche Dinge sagt man meist zu kleinen Kindern wenn sie gefallen sind. Man möchte die Situation verharmlosen um die Kinder nicht unnötig zu beängstigen.
Doch manchmal läuft es eben anders ...

In diesem Blog werde ich in unregelmäßigen Abständen Passagen aus meiner Biographie veröffentlichen.
Warum ?
Nun, zum einen um meine Vergangenheit zu verarbeiten und zum anderen, um ggf. Personen mit ähnlichem Schicksal eine Hilfe zu sein.
Ich bitte jedoch darum, von beleidigenden und niveaulosen Kommentaren Abstand zu nehmen.
Alle Kommentare unterliegen der Moderation und werden vorher geprüft.

Ich wünsche allen Besuchern eine angenehme Zeit :)

AAW