
Ab nun ging es einfach nur noch ums Überleben. Doch wie stellte man das an wenn man allein war???
Irgendwie wurde alles immer nur noch schlimmer.
Ich wurde systematisch ausgegrenzt und reagierte mit Trotz.
Alles was verboten war, wurde zu meiner Mission.
Ich zerschnitt die Bücher meines Vaters, telefonierte bis zum abwinken mit Freundinnen und bescherte meinen Eltern somit horrende Rechnungen,kam nie pünktlich nach Hause, stopfte mich heimlich mit Süßigkeiten voll.
Die Folgen waren immer die selben:
SCHLÄGE
Kleines blödes Ding!
Zu nichts nütze!
Kann nichts und taugt nichts!
Eines Tages lief ich dann von zuhause weg! Auf die gegenüberliegende Straßenseite zum Elternhaus meiner Freundin - im Nachthemd!
Der Vater meiner Freundin war zu dem Zeitpunkt Bürgermeister (was die spätere Reaktion noch verschärfte) und er war von Beruf Polizist.
Und was tut ein guter Polizist ???
Nein, er fragt nicht warum ein kleines Kind von zuhause wegläuft - er ruft die "armen" Eltern an die vor Sorge schon ganz krank sein müssen!
Das wars dann mit meinem Ausflug in die große weite Welt!
Der Vater meiner Freundin stand in der Haustür, winkte meinen Eltern auf der gegenüberliegenden Straßenseite freundlich rüber und sah zu wie ich barfuß in meinem Nachthemd zurück zu meinem Elternhaus schlich.
Mami und Papa standen in der Haustür und schauten mich mitleidig an - zwischendurch lächelten sie hinüber zum Vater meiner Freundin.
Nachdem ich es dann endlich starr vor Angst geschafft hatte die letzten Stufen zur Haustür hinaufzusteigen, zog Mami mich in ihre Arme und sagte für jeden gut verständlich: "Was machst du denn für Sachen mein Schatz?!"
Puh, Glück gehabt! War ja gar nicht so schlimm. Mami war nicht böse auf mich - alles würde wieder gut werden...
Denkste Puppe!
Es wurde noch einmal zum Nachbarn gewunken, der dann auch endlich seine wohlverdiente Nachtruhe geniessen konnte.
Dann wurde ich ins Haus geschoben und die Haustür wurde geschlossen.
Sekunden danach folgte ein Alptraum.
War ich soeben noch der Meinung alles würde gut werden,wurde ich erneut wie schon so oft eines besseren belehrt.
Mami stiess mich mit einem beherzten Tritt in meinen Rücken die marmorne Kellertreppe hinunter.
Wie ich nur konnte - und ausgerechnet zum Bürgermeister - was jetzt die Leute reden würden - mein Vater sollte doch Bürgermeister werden ...
Ich hörte nicht mehr hin.
Ich verkroch mich mit Schmerzen in meinem Kellerzimmer, zog die Decke über den Kopf und machte erneut ins Bett.
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